Der freie Tag in Stralsund sollte in erster Linie dazu dienen, die Modalitäten unserer Rückfahrt zu klären, sprich, den genauen Tag, den Weg
festzulegen und Bahntickets und Reservierungen zu erwerben. Das alles war zu unserem Erstaunen nach 20 Minuten zu unserer vollsten Zufriedenheit
geklärt und somit konnten wir den Schlachtplan für den Rest unseres Urlaubs festlegen. Der heutige Tag würde uns komplett für`s schnöde Nichtstun
in Stralsund zur Verfügung stehen, haben wir dann trotzdem nicht gemacht, sondern ein paar Sehenswürdigkeiten in Stralsund erkundet. Zum einen
liegt im Hafen von Stralsund das Segelschulschiff “Gorch Fock” und zwar das Originalteil. Das jetzt im Dienst befindliche Segelschulschiff “Gorch
Fock II” ist nämlich ein schnöder Nachbau des hier liegenden Dreimasters. Die “Gorch Fock I” wurde 1933 in Dienst gestellt und hatte als Heimathafen
immer Stralsund. Kurz vor Ende des 2. Weltkrieges wurde das Schiff aus dem Hafen geschleppt und versenkt. Allerdings wählte man dafür eine zu flache
Stelle, so das der Bug des Schiffes aus dem Wasser schaute. Deshalb wurde das Schiff 1947 gehoben, repariert und ging als Reparationszahlung an die
Russen, um für die sowjetische Handelsmarine als Schulschiff zu dienen. Dort war es auch jahrzehntelang im Dienst und hieß da “Towarischtsch”
(Kamerad) und hatte als Heimathafen Cherson in der heutigen Ukraine am Schwarzen Meer. Entsprechend fiel das Schiff dann nach der Abspaltung der
Ukraine vom sowjetischen Riesenreich der ukrainischen Handelsmarine zu, die aber nicht ansatzweise in der Lage war solch ein Schiff zu unterhalten.
Entsprechend verkam der Zustand des Schiffes bis zur Fahruntüchtigkeit, eine Reparatur in einem englischen Hafen scheiterte an mangenden finanziellen
Mitteln und so fuhr die “Towarischtsch” ein letztes Mal bis Kiel um dort endgültig zu stranden. Dort wurde das Schiff von einem Verein namens
Tall-Ship Friends übernommen und nach einer Übergangszeit in Wilhelmshaven, wo die notwendigsten Reparaturen durchgeführt wurden mittels
eines Dockschiffes wieder in den Heimathafen Stralsund zurück überführt. Dort wurde mit den umfangreichen Sanierungsarbeiten begonnen, im Moment
ist das Schiffchen ein Museum und schwimmt zumindest wieder / noch. Ob sie je wieder eine Fahrgenehmigung bekommen wird, hängt wohl vor allem davon
ab, ob die Mittel für den kompletten Wiederaufbau beschafft werden können. Im Moment hat es den Anschein, als ob es ein stationäres Museumsschiff
bleiben wird. Trotzdem einen Besuch wert, ein imposantes Zeugnis der technischen Möglichkeiten vergangener Zeiten.
Anschließend haben wir dem Ozeaneum in Stralsund einen Besuch abgestattet, einem riesigen Aquarium, dass sich vorrangig mit den europäischen
und arktischen Meeren beschäftigt, in erster Linie natürlich Ost- und Nordsee. Sehr interessant und auch imposant, an einer Stelle geht man durch eine
Aquarium-Brücke, das heißt, die Aquarien links und rechts von einem sind über einem verbunden, man fühlt sich als stehe man unter Wasser
zwischen den Fischen.
Der Rest des Tages wird in Stralsund`s wunderschöner Altstadt verbummelt, abends gehen wir dann noch im “Klabautermann” im Hafen zu Essen.
Der Fisch ist lecker, an den Labskaus trauen wir uns dann doch nicht ran, nachdem wir uns haben erklären lassen, was das ist…